05.11.2026 16:46 Uhr
Versorgung für die Menschen im Landkreis sichern. Zukunft gestalten
Göppingen, 5. November 2026
Der Aufsichtsrat der ALB FILS KLINIKUM GmbH hat das Zukunftsprogramm 2030 beschlossen. Mit dem Programm richtet das Klinikum Leistungsangebot und Strukturen bis 2030 auf den Bedarf des Landkreises und die veränderten Rahmenbedingungen aus. Das Ziel ist klar: eine verlässliche, hochwertige und gleichzeitig wirtschaftlich tragfähige Krankenhausversorgung für alle Menschen im Landkreis Göppingen – heute, 2030 und darüber hinaus. Für die Patientinnen und Patienten bleibt die Versorgung gesichert. Die Umsetzung des Zukunftsprogramms verbessert das wirtschaftliche Ergebnis des Klinikbetriebs um rund 2 Millionen Euro im Jahr 2027 und in den folgenden Jahren dauerhaft um rund 5 Millionen Euro.
Starke Ausgangsposition: Der Landkreis Göppingen hat bereits vollzogen, zu was die Krankenhausreform zwingt
Die Krankenhausreform zwingt Kliniken, Leistungen an weniger Standorten zu konzentrieren und zu spezialisieren, weil höhere Fallzahlen Routine, Qualität und Sicherheit schaffen. Der Landkreis Göppingen ist diesen Weg gegangen, lange bevor die Reform Gesetz wurde: Die stationäre Versorgung ist an einem Standort in einem Neubau konzentriert, der zu den modernsten Klinikinfrastrukturen des Landes zählt. Der Neubau ist seit Juli 2025 im Betrieb, die Leistungen liegen über Plan, die Erlöse rund 7,5 Millionen Euro über dem Vorjahr. Jährlich werden rund 30.000 stationäre und rund 130.000 ambulante Patientinnen und Patienten behandelt, rund 90 Prozent davon aus dem Landkreis. Mit über 2.600 Mitarbeitenden und mehr als 250 Auszubildenden ist das ALB FILS KLINIKUM größter kommunaler Arbeitgeber der Region.
„Das ALB FILS KLINIKUM ist das Flaggschiff der medizinischen Versorgung unserer Region. Als Landkreis bekennen wir uns zu unserer Klinik und sind stolz auf die herausragende medizinische Kompetenz der Ärztinnen und Ärzte sowie der Pflegekräfte. Die bundespolitischen Rahmenbedingungen haben sich jedoch verschärft. Deshalb müssen wir uns als Träger des ALB FILS KLINIKUMS neu konzentrieren. Das Zukunftsprogramm 2030 setzt um, was für eine Klinik unserer Größe mit unserem Versorgungsauftrag sinnvoll ist. Es ist ein Kompass, der uns für die kommenden Jahre die Richtung weist. Landkreis, Aufsichtsrat und Geschäftsführung gehen diesen Weg geschlossen und tragen die Entscheidungen gemeinsam, mit einem passgenauen Konzept für eine Klinik in kommunaler Trägerschaft, die unsere Bürgerinnen und Bürger gut versorgt“, betont Landrat Markus Möller.
Veränderte Rahmenbedingungen: Sechs Entwicklungen zwingen alle Krankenhäuser zum Handeln
Zugleich haben sich die Rahmenbedingungen für Krankenhäuser grundlegend verändert und verschärft. „Die Rahmenbedingungen für Krankenhäuser sind so schwierig wie nie. Vor allem der Bund zwingt die Klinikträger in eine Situation, die noch nie so dramatisch war. Wir werden Zeuge einer kalten Strukturreform, weil wir nicht die Mittel erhalten, die wir für die Kliniken benötigen“, sagt Landrat Möller.
Sechs Entwicklungen zwingen auch das ALB FILS KLINIKUM zum Handeln:
1. Finanzierung:Die Erlöse steigen seit Jahren langsamer als die Kosten. Ab 2027 verschärft das GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz die Lage nochmals massiv. Für das ALB FILS KLINIKUM bedeutet es rund 4,5 Millionen Euro weniger Einnahmen im Jahr 2027 und bis zu 9,6 Millionen Euro jährlich bis 2030. Hinzu kommt der Wegfall des befristeten Rechnungszuschlags von rund 5 Millionen Euro im Jahr. Ohne Gegensteuern würde das Defizit von rund 14,5 Millionen Euro im laufenden Jahr auf rund 26,7 Millionen Euro im Jahr 2030 wachsen. Zugleich haben sich die finanziellen Rahmenbedingungen des Landkreises als Träger des Klinikums entscheidend geändert, die Haushalte der Kommunen stehen enorm unter Druck.
2. Krankenhausreform:Ab 2027 werden Leistungsgruppen zugewiesen. Jeder Fachbereich muss dann für sich strukturelle Qualitätsvorgaben und Mindestfallzahlen erfüllen und sich wirtschaftlich tragen. Das zwingt zur Konzentration und Spezialisierung von Leistungen, die sich positiv auf Versorgungssicherheit und Qualität auswirken.
3. Demografie:Die Bevölkerung im Landkreis wird älter. Der Bedarf an Altersmedizin, Herz- und Gefäßmedizin wächst, der Bedarf in anderen Fachgebieten geht zurück.
4. Fachkräfte:Qualifiziertes Personal ist knapp und wertvoll, die Strukturen müssen sich danach richten.
5. Medizinischer Fortschritt und Ambulantisierung:Schonendere Verfahren verkürzen Liegezeiten und verlagern Leistungen in den ambulanten Bereich.
6. Wettbewerb:Der Versorgungsanteil des Klinikums im Landkreis ist bereits hoch, Wachstum ist nur gezielt möglich.
„Eine verlässliche und hochwertige Versorgung für die Menschen im Landkreis ist nicht verhandelbar. Sie ist aber nur dann dauerhaft zu gewährleisten, wenn sie auch finanzierbar bleibt. Deshalb richten wir unsere Arbeit konsequent auf das aus, was das Klinikum für die Region leisten kann und leisten muss – und das in hoher Qualität. Wir sind nicht die Ursache dieser Entwicklungen, aber wir übernehmen Verantwortung für den Umgang mit ihnen und gestalten unsere Zukunft aktiv, aus einer Position der Stärke. Das gelingt nur mit den Menschen, die dieses Haus tragen: Unsere Mitarbeitenden sind Tag für Tag für die Patientinnen und Patienten da und leisten großen Einsatz unter schwierigen Rahmenbedingungen. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar“, sagt Dr. Ingo Hüttner, Medizinischer Geschäftsführer des ALB FILS KLINIKUMS.
Versorgung sichern: Konzentrieren, verschlanken, investieren. Was das Klinikum konkret unternimmt
Grundlage des Zukunftsprogramms 2030 ist eine externe Überprüfung im Auftrag des Klinikums, die alle wesentlichen Bereiche des Hauses und die Entwicklung bis 2030 betrachtet hat. Die Ergebnisse wurden von Geschäftsführung und Aufsichtsrat bewertet. Jede Maßnahme ist mit Versorgung, Qualität und Wirtschaftlichkeit begründet und folgt einem von fünf Leitprinzipien:
- Konzentrieren:Das Perinatalzentrum wird von Level 2 auf Level 3 umgestellt. Die Einstufung beschreibt, welche Frühgeborenen ein Krankenhaus versorgen darf. Die Frühgeborenen mit dem höchsten Versorgungsbedarf (sehr frühe Geburt vor der 32. Schwangerschaftswoche oder mit weniger als 1.500 Gramm) werden künftig in den spezialisierten Zentren der Region versorgt, wie heute schon überwiegend. Das betrifft weniger als zehn Kinder im Jahr; für diese sehr wenigen Fälle kann das Klinikum die hochspezialisierte Bereitstellung nicht mehr vorhalten. Alle anderen Frühgeborenen werden weiterhin in Göppingen versorgt, Geburtshilfe und Kinderklinik bleiben uneingeschränkt erhalten. Die Plastische Chirurgie wird eingestellt. Die Praxen für Allgemein- und Akutmedizin, Gynäkologie und Kinder- und Jugendmedizin des Medizinischen Versorgungszentrums in Geislingen sollen an niedergelassene Ärztinnen und Ärzte übergehen. Die wohnortnahe Versorgung bleibt damit erhalten.
- Verschlanken:Die Nephrologie wird in die Klinik für Hämatologie und Onkologie integriert. Die nephrologische Versorgung der Patientinnen und Patienten einschließlich Dialyse bleibt dabei vollständig erhalten.
- Ressourcen effizient einsetzen:In Radiologie, Labor, Pathologie und in Servicebereichen werden Anforderungen und Standards auf das medizinisch Notwendige ausgerichtet. Die Behandlungsqualität bleibt unverändert. Es sinkt der Aufwand, der nicht im Verhältnis zum Nutzen für die Patientinnen und Patienten steht.
- Wachsen und investieren:Durch den demografischen Wandel erhöht sich der Bedarf der Altersmedizin. Hierfür erweitern wir das Angebot, es wird eine neue Geriatrie-Sektion geschaffen. Die Mund-, Kiefer- und plastische Gesichtschirurgie, Orthopädie sowie Gynäkologie werden gezielt ausgebaut, die Zentrale Notaufnahme wird auf das Integrierte Notfallzentrum vorbereitet.
- Weiterentwickeln:Das Programm wird regelmäßig überprüft und weiterentwickelt. Maßgabe für jede weitere Maßnahme bleibt das Ziel einer verlässlichen, hochwertigen und wirtschaftlich tragfähigen Versorgung für alle Menschen im Landkreis.
„Wachstum allein schließt die Lücke nicht, dafür ist unser Versorgungsanteil im Landkreis bereits zu hoch. Der Hebel liegt in den Strukturen und Abläufen, nicht in der Leistung Einzelner. Wir erhalten die Medizin und verschlanken die Struktur dahinter. Wir senken Aufwand, der nicht im Verhältnis zum Nutzen für die Patientinnen und Patienten steht, und wir investieren dort, wo die Menschen im Landkreis uns künftig mehr brauchen. Wir wissen, dass dieser Weg an einzelnen Stellen mit Härten verbunden ist. Deshalb ist uns Verlässlichkeit gegenüber unseren Mitarbeitenden wichtig: Wir sagen, was entschieden ist, und wir besprechen es zuerst mit den Betroffenen“, sagt Wolfgang Schmid, Kaufmännischer Geschäftsführer des ALB FILS KLINIKUMS.
Was das Zukunftsprogramm für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet: Versorgungssicherheit im Landkreis Göppingen
„Die Diskussionen im Aufsichtsrat waren davon geleitet, auch unter schwierigen Rahmenbedingungen eine sehr gute medizinische Versorgung für die Menschen im Landkreis sicherzustellen“, erklärt Möller. Das ALB FILS KLINIKUM bleibt der Schwerpunktversorger für den gesamten Landkreis: ein Standort, ein breites Leistungsangebot, in der Größe und mit dem Angebot, das der Landkreis braucht. Die Notaufnahme, die Geburtshilfe, die Kinderklinik, die Herzmedizin, die Krebsmedizin, die Chirurgie und die Dialyse bleiben erhalten. Neu hinzu kommt die Altersmedizin. Hier passt das Klinikum seine Versorgung an eine älter werdende Gesellschaft an. In der Orthopädie, der Gynäkologie und der Mund-, Kiefer- und plastischen Gesichtschirurgie werden künftig mehr Behandlungen wohnortnah möglich sein. Die Patientinnen und Patienten können sich im Alltag auf ihr Klinikum verlassen – heute und in den kommenden Jahren.
Was das Zukunftsprogramm für die Mitarbeitenden bedeutet: sichere Arbeitsplätze in einem Haus mit Zukunft
Ziel des Zukunftsprogramms sind auch in Zukunft sichere und attraktive Arbeitsplätze: in einem modernen Haus mit fachlicher Breite, hoher Qualität, eigener Ausbildung und klaren Strukturen. Das Programm bewertet Strukturen, Abläufe und Angebote, nicht die Arbeit Einzelner. Wo die beschlossenen Maßnahmen personelle Veränderungen nach sich ziehen, werden diese mit den Betroffenen persönlich besprochen und einvernehmliche Lösungen gesucht. Der Betriebsrat ist eingebunden. Klinikum und Landkreis wissen, welche Kraftanstrengung sie den Mitarbeitenden in den kommenden Jahren abverlangen: Veränderungen in Teams, neue Zuordnungen, Mehrbelastung in Übergängen. Die Mitarbeitenden des ALB FILS KLINIKUMS sind Tag für Tag mit hoher Professionalität für die Menschen im Landkreis da, auch in einer Zeit, in der sie selbst Veränderungen bewältigen. Das verdient größten Respekt und Dank.
Ein laufender Prozess: Regelmäßig prüfen, entscheiden und informieren
Die Umsetzung der jetzt beschlossenen Maßnahmen erfolgt schrittweise von 2027 bis 2030. Das Zukunftsprogramm ist kein einmaliger Schritt, sondern ein laufender Prozess bis 2030 und darüber hinaus: Klinikum und Landkreis überprüfen regelmäßig, wie sich die Rahmenbedingungen entwickeln, und passen das Programm an, wo es nötig oder sinnvoll ist. Über den Stand und die nächsten Schritte wird regelmäßig intern und extern berichtet, Führungskräfte und Mitarbeitende werden in die Umsetzung einbezogen.
Gemeinsam Verantwortung übernehmen: Landkreis und Klinikum fordern faire Rahmenbedingungen von Bund und Land
Das Programm stabilisiert den Klinikbetrieb. Ein Defizit bleibt dennoch aus heutiger Sicht auch 2030 bestehen. Eine wesentliche Säule dieses Defizits sind Abschreibungen und Zinsen für den Neubau, ebenso die bundespolitischen Finanzierungsbedingungen.
Landrat Möller unterstreicht: „Das Konzept eines starken Zentralklinikums passt in die Gesundheitspolitik. Wir handeln jetzt und übernehmen Verantwortung, um unsere Klinik gestaltungsfähig zu halten. Mit dieser Fokussierung auf das Kerngeschäft und der Umsetzung der eingeleiteten Maßnahmen werden wir die kommunale Trägerschaft sicherstellen. Das war auch dem Aufsichtsrat von zentraler Bedeutung. Gleichzeitig fordern wir von Bund und Land faire und zukunftssichere Rahmenbedingungen ein. Für unsere Bürgerinnen und Bürger ist ein stabiles und auskömmlich finanziertes Klinikum ein wesentlicher Bestandteil der Daseinsvorsorge.“
(Quelle: Alb Fils Klinikum)
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