01.09.2026 16:01 Uhr
Weniger junge Menschen starten Im Kreis Göppingen in die Ausbildung: IHK-Ausbildungszahlen sinken angesichts schlechter Konjunktur und Bewerbermangel
Mit Beginn des neuen Ausbildungsjahres werden im Kreis Göppingen deutlich weniger junge Menschen in eine Ausbildung starten als noch vor einem Jahr. Das ist das Ergebnis einer Stichtagsanalyse der bis Ende August abgeschlossenen und eingetragenen Ausbildungsverhältnissen bei der IHK Region Stuttgart. In den von der IHK betreuten kaufmännischen und gewerblich-technischen Berufen beträgt das Minus im Kreis Göppingen insgesamt 11,5 Prozent. Aus Sicht der IHK liegt der Rückgang nicht ausschließlich an der schwachen Konjunktur, den Unsicherheiten in den Unternehmen und dem technologischen Wandel. Es konnten auch Ausbildungsplätze mangels geeigneter Bewerber nicht besetzt werden. „Sich heute für eine duale Ausbildung zu entscheiden, ist die beste Grundlage für die weitere berufliche Zukunft“, appelliert Göppingens IHK-Bezirkskammerpräsidentin Edith Strassacker von der gleichnamigen Kunstgießerei in Süßen an alle noch unentschlossenen Jugendlichen. Nach wie vor ist ein Ausbildungsstart in verschiedenen Ausbildungsberufen möglich. Interessierte Bewerber können sich an Petra Dauser von der IHK-Bezirkskammer Göppingen unter azubigesucht.gp@stuttgart.ihk.de oder telefonisch unter 07161 6715-8444 wenden.
„Der Rückgang der Ausbildungsverhältnisse ist ein deutliches Warnsignal für unseren Standort“, betont Strassacker. Vom Rückgang sind besonders die kaufmännischen Berufe im Kreis Göppingen betroffen. Erfreulich sei jedoch, dass im Vergleich zu anderen Landkreisen in der Region Stuttgart in der Industrie die gewerblich-technischen Ausbildungsplätze nahezu stabil geblieben sind. „Unsere Unternehmen stehen zur dualen Berufsausbildung und sind sich ihrer Verantwortung bewusst“, betont Strassacker. Die IHK-Präsidentin warnt jedoch davor, dass sich in den kommenden Jahren in denjenigen Branchen die Fachkräftelücke verschärfen werde, in denen heute deutlich weniger junge Menschen ausgebildet werden. „Wer heute bei der Ausbildung nachlässt, verschärft morgen seinen eigenen Fachkräftemangel im Betrieb,“ appelliert Strassacker an die Unternehmen.
Insgesamt wurden bei der IHK-Bezirkskammer Göppingen 569 Ausbildungsverträge abgeschlossen und eingetragen (2025 noch 643 Verträge). Besonders betroffen vom Rückgang sind die kaufmännischen Berufe mit einem Minus von 15,6 Prozent, das entspricht im Vergleich zum Vorjahr 64 Ausbildungsverhältnisse weniger. Gerade bei kaufmännischen Berufen beobachtet die IHK zunehmende Unsicherheit über den künftigen Fachkräftebedarf. Einzelne Unternehmen überprüfen ihre Ausbildungsplanung sehr grundsätzlich. Im produzierenden Gewerbe wurden bei den gewerblich-technischen Berufen im gesamten Filstal lediglich 10 Ausbildungsverträge weniger abgeschlossen, was einem Minus von 4,3 Prozent entspricht. Trotz sinkender Vertragszahlen bleiben viele Ausbildungsplätze jedoch unbesetzt. 69 Prozent der Betriebe mit unbesetzten Stellen nennen fehlende geeignete Bewerbungen als Hauptgrund. „Wir haben auch ein Passungs-Problem: Jugendliche und Ausbildungsplätze finden häufig nicht zusammen – etwa wegen unterschiedlicher Berufswünsche, Standorte oder Erwartungen,“ berichtet Göppingens IHK-Ausbildungsberaterin Karin Barthel. Die IHK Region Stuttgart hat aktuell eine Ausbildungsoffensive gestartet. Bestehende Ausbildungsplätze sollen im Kreis Göppingen durch gezielte Betriebsbesuche und die Unterstützung der Betriebe gesichert werden. Gleichzeitig will die IHK ehemalige Ausbildungsbetriebe reaktivieren und neue Unternehmen für die Ausbildung gewinnen. Um mehr Jugendliche zu erreichen, setzt sie unter anderem auf das neue Ausbildungsmobil, Berufsparcours, Schulbesuche, Speed-Datings und weitere Vermittlungsformate. „Auch ohne Studium bietet die duale Berufsausbildung tolle Karrierechancen. Das werden wir noch viel mehr in die Öffentlichkeit tragen“, betont IHK-Bezirkskammerpräsidentin Edith Strassacker.
(Quelle: IHK Bezirkskammer Göppingen)
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