09.07.2026 15:27 Uhr
IHK-Wirtschaft aus dem Filstal fordert mehr Tempo bei Reformen und Infrastruktur
IHK-Bezirksversammlung in Geislingen: Unternehmen drängen auf Bürokratieabbau, den zügigen Weiterbau der B10 und bessere Rahmenbedingungen für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts. Zu ihrer zweiten Sitzung in diesem Jahr traf sich die Bezirksversammlung der IHK-Bezirkskammer Göppingen jüngst im oberen Filstal an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt (HfWU) Nürtingen-Geislingen. Dabei drehten sich die Themen auch um den Wirtschaftsstandort Geislingen sowie die Lage der Automobilwirtschaft insgesamt. Göppingens IHK-Präsidentin Edith Strassacke forderte von Bund und Land deutlich mehr Tempo bei Reformen und Infrastrukturprojekten. Von der neuen Landesregierung erwartet die Wirtschaft im Göppinger Filstal nun schnelle Maßnahmen – insbesondere beim Bürokratieabbau und beim Weiterbau der B10. Ankündigungen müssten jetzt zügig in konkrete Taten umgesetzt werden. Gerade der Weiterbau der B10 sei von größter Bedeutung für die wirtschaftliche Zukunft des oberen Filstals. „Jetzt darf es bei diesem wichtigen Straßenprojekt auf keinen Fall zu weiteren Verzögerungen kommen“, so Strassacker.
Gastgeber Prof. Andreas Frey, Rektor der HfWU Nürtingen-Geislingen präsentierte den Unternehmern eine erfreuliche Entwicklung bei den Studierendenzahlen, wodurch sich weitere Entwicklungsmöglichkeiten eröffnen. Erfreulich war, dass vor allem am Standort Geislingen die Hochschule in Erweiterungen investieren werde. Mit Blick auf die Wirtschaft betonte er die konsequente Ausrichtung seiner Hochschule auf Zukunftsthemen sowie die enge Verzahnung mit regionalen Unternehmen. Mit dem Gründungscenter Zukunft.Gründen und einem neuen Studienangebot im Bereich Unternehmertum unterstütze die Hochschule zudem gezielt unternehmerische Initiativen von Studierenden. Professor Stefan Reindl, Direktor des Instituts für Automobilwirtschaft an der HfWU, machte deutlich, dass die deutsche Automobilwirtschaft gleich an zwei entscheidenden Fronten unter Druck steht: In den USA gefährden Zölle die Ertragskraft, in China treffen deutsche Hersteller auf Überkapazitäten, ruinösen Preiswettbewerb und immer stärkere lokale Wettbewerber. Das frühere Erfolgsmodell, hochwertige Fahrzeuge überwiegend aus Deutschland in die Welt zu exportieren, stoße damit zunehmend an Grenzen. Von der Politik forderte Reindl deshalb klarere Leitplanken für Investitionen und Innovationen: weniger abstrakte Technologieoffenheit, mehr strategische Technologieklarheit. Oberbürgermeister Ignazio Ceffalia betonte in seinen Ausführungen die Bedeutung eines gemeinsamen, positiven Selbstverständnisses für die Zukunft Geislingens. Die Stadt verfüge über zahlreiche Stärken und Potenziale, die selbstbewusst nach außen getragen werden müssten. Ein attraktives und optimistisches Bild Geislingens sei ein wichtiger Baustein, um Fachkräfte zu gewinnen, Investitionen anzuziehen und insbesondere Absolventinnen und Absolventen der HfWU langfristig für den Standort zu begeistern. An die Unternehmerinnen und Unternehmer gerichtet bekräftigte er zudem das Ziel der Stadt, die Rahmenbedingungen für die wirtschaftliche Entwicklung weiter zu verbessern. Dabei sprach er auch die Herausforderungen bei der Ausweisung neuer Gewerbeflächen an, die unter anderem durch hohe rechtliche und ökologische Anforderungen entstehen. Zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten würden nicht nur den Unternehmen zugutekommen, sondern auch die wirtschaftliche Stärke der Stadt und ihre Gewerbesteuereinnahmen nachhaltig sichern.
Im anschließenden Austausch wurde vonseiten der Unternehmerschaft die klare Forderung gestellt, die Wirtschaft wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken. Dort würden Arbeitsplätze geschaffen und dort würden die Mittel erwirtschaftet, die im Sozialbereich oder für Infrastruktur benötigt würden. Wichtig sei zudem ein gesunder Pragmatismus, um die aktuellen Herausforderungen erfolgreich zu den bewältigen. So appellierte Ann-Kathrin Geyr-Schurr, Geschäftsführerin des Burghotel und Restaurant Staufeneck, weniger zu klagen, mehr zu handeln. Auch hier brauche es eine Änderung beim Mindset. Es gelte auch die positiven Dinge zu sehen und ins Licht zu rücken.
(Quelle: IHK Bezirkskammer Göppingen)
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